Arbeitsvermittlung

Interkulturelle Kompetenzen stärken

Positive Einstellung gegenüber fremden Kulturen verinnerlichen

Kreis Steinfurt. Im Kreis Steinfurt hat der Anteil an Menschen mit Migrationshintergrund in den letzten Jahren erkennbar zugenommen. Sie bereichern den Kreis kulturell, religiös und wirtschaftlich. Dennoch kommt es immer wieder zu Missverständnissen, die zum Teil aus unterschiedlichen Sozialisationserfahrungen und Unwissenheit herrühren.

Menschen mit ausländischen Wurzeln besser verstehen und mehr über sie erfahren, dass wollten zwölf Mitarbeitende der Arbeitsvermittlung des jobcenters Kreis Steinfurt. Daher nahmen sie an einem internen Workshop „Interkulturelle Kompetenz“ teil, den die Kollegen Abdeslam Nordine, Yasemin Örlü Köksal und Zine Ait Waarab leiteten. Alle drei arbeiten in der Arbeitsvermittlung und haben eine mehrmonatige IQ NRW-Fortbildung „Train the Trainer für Interkulturelle Grundsensibilisierung“ erfolgreich absolviert.

Örlü Köksal fasste die Ziele des Workshops zusammen: „Wir wollen unsere Kolleginnen und Kollegen für die Auseinandersetzung mit kulturellen Unterschieden und den daraus resultierenden Arbeits- und Verhaltensweisen stärken. Dazu gehört auch, die Fähigkeit des Perspektivwechsels sowie der Empathie und der Offenheit gegenüber anderen Kulturen und Religionen.“ Denn natürlich komme es auch im Jobcenter zu interkulturellen Auseinandersetzungen, die aus mangelndem Wissen sowie unterschiedlichen Erwartungen, Vorstellungen und Hoffnungen erwüchsen. „Diese Konflikte und Missverständnisse wollen wir mit unserem Angebot gezielt entschärfen“, so Örlü-Köksal weiter.

Ein wichtiger Schritt, so Zine Ait Waarab, schließlich nehme die Zahl der SGB II-Leistungsbeziehenden mit ausländischen Wurzeln kontinuierlich zu. So umfasse diese Gruppe derzeit 40 Prozent aller Hilfebedürftigen. „Da ist es an der Zeit, dass wir alle unsere interkulturellen Kompetenzen stärken und mehr über und voneinander erfahren.“

Daher lernten die Teilnehmenden zunächst nicht nur die Unterschiede zwischen Vorurteil, Stereotyp und Klischee kennen, sondern auch unterschiedliche Ansätze den Begriff Migration zu definieren. Anschließend rückte der Islam und die arabische Kultur in den Vordergrund der Veranstaltung, denn schließlich kommt ein Großteil der in den vergangenen Jahren hierher Geflüchteten aus arabischsprachigen Ländern und rund 40 Prozent der ausländischen SGB II-Leistungsbeziehenden sind muslimisch.

Die Teilnehmenden erfuhren, wie sich die arabische Welt ethisch und konfessionell zusammensetzt, welche Wertvorstellungen dort vorherrschen und welche Ausprägungen es im Islam gibt. In diesem Zusammenhang widerlegten die Trainer gängige Vorurteile gegenüber muslimischen Frauen wie beispielsweise zum Tragen des Kopftuchs. Zugleich deckten sie Unterschiede in der Kommunikation auf. „In Deutschland wird meist direkt kommuniziert. Kurz gesagt: man sagt, was man will oder was man, von jemandem erwartet“, so Nordine. Ganz anders im arabischsprachigen Raum. „Dort“, so Nordine weiter, „werde häufig indirekt kommuniziert. Um Anliegen zu erklären, werden Analogien verwendet, da es wichtig für alle Beteiligten ist, das Gesicht zu wahren.“ Dieser unterschiedlichen Ansätze der Gesprächsführung führten gerade auch in Behörden wie dem Jobcenter immer wieder zu Missverständnissen.