Langzeitarbeitslosigkeit

Neue Perspektiven für Langzeitarbeitslose

Unternehmen können Förderung beantragen

Kreis Steinfurt – Zahlen belegen: Je länger jemand auf die Grundsicherung für Arbeitsuchende (Hartz IV) angewiesen ist, desto schwieriger wird der Weg zurück in sozialversicherungspflichtige Beschäftigung.

Durch das am 1. Januar 2019 in Kraft getretene Teilhabechancengesetz werden mit den Förderinstrumenten §16e SGB II „Eingliederung von Langzeitarbeitslosen“ und §16i SGB II „Teilhabe am Arbeitsmarkt“ ergänzende Möglichkeiten eröffnet, diese Menschen gezielt in ihrem Integrationsprozess zu unterstützen.

In den vergangenen Jahren verzeichnete der Kreis Steinfurt wie der Rest der Republik eine gute konjunkturelle Entwicklung mit rückläufigen Arbeitslosenzahlen. Allerdings profitierten nicht alle gleichermaßen – an langzeitarbeitslosen Personen ist diese Entwicklung zum Teil vorbeigegangen. „Viele dieser Menschen wollen aber wieder arbeiten. Sie sind motiviert, zeigen Engagement, wenn sie die Möglichkeit erhalten, ins Berufsleben zurückzukehren“, so Thomas Ostholthoff, Vorstandvorsitzender des jobcenter Kreis Steinfurt. Um diesen Sprung zu schaffen, benötigen sie besondere Unterstützung.

Teilhabe am Arbeitsmarkt

Hier greift das neue Förderinstrument nach §16i SGB II. Es bietet Personen mit einer längeren Arbeitslosigkeit eine realistische Perspektive zur Teilhabe am allgemeinen und sozialen Arbeitsmarkt. „Förderfähig sind Personen über 25 Jahren, die für mindestens sechs Jahre in den letzten sieben Jahren Leistungen vom Jobcenter erhalten haben und in dieser Zeit nicht oder nur kurz beschäftigt waren“, fasst Tilman Fuchs, Sozialdezernent des Kreises Steinfurt, die Förderkriterien zusammen.

Diese Menschen sollen über staatliche Lohnkostenzuschüsse mit einer maximalen Förderdauer von fünf Jahren und intensive persönliche Betreuung zurück in den Arbeitsmarkt geführt werden. „Unternehmer, die solchen Personen eine Chance geben und sie einstellen, können in den ersten beiden Jahren einen 100-prozentigen Lohnkostenzuschuss erhalten“, so Ostholthoff. Ab dem dritten Jahr sinke der Zuschuss um jeweils zehn Prozentpunkte jährlich. Die Kosten für Weiterbildungen und Qualifizierungen werden ebenfalls vom Jobcenter übernommen.

Fuchs ergänzt: „Wir fördern jetzt anders als in den 1990er Jahren keine Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen, sondern reguläre Beschäftigungsverhältnisse in Unternehmen, bei sozialen Einrichtungen und Kommunen.“ Dazu gehöre, dass die Betroffenen durch einen Coach begleitet werden. Auch dies sei anderes als in der Vergangenheit: „Die Erfahrung zeigt, es reicht nicht aus, die Menschen in einen neuen Job zu vermitteln und dann allein zu lassen. Sie brauchen eine persönliche Begleitung, um erfolgreich wieder Fuß zu fassen auf dem Arbeitsmarkt.“

Eingliederung von Langzeitarbeitslosen

Ein weiteres Förderinstrument „Eingliederung von Langzeitarbeitslosen“ setzt bereits nach zweijähriger Erwerbslosigkeit an. „Der Gesetzgeber hat den bestehenden § 16e SGB II neu gefasst und eine Rechtsgrundlage für einen weiteren neuen Lohnkostenzuschuss geschaffen“, erklärt Ostholthoff. Förderungsfähig seien sozialversicherungspflichtige Beschäftigungsverhältnisse. In diesen Fällen zahle das Jobcenter ebenfalls einen Zuschuss zum Arbeitsentgelt – allerdings maximal für 24 Monate. Der Vorstandsvorsitzende des Jobcenters weiter: „Im ersten Jahr übernehmen wir 75 Prozent und im zweiten Jahr 50 Prozent des Arbeitslohns.“ Flankierend zum Lohnkostenzuschuss erfolge auch hier eine beschäftigungsbegleitende Betreuung. Außerdem übernehme das Jobcenters ebenfalls Kosten für notwendige Weiterbildungsmaßnahmen und Qualifizierungen.

Unternehmen, die Arbeitskräfte suchen, rät Fuchs: „Wenn sie mit dem Gedanken spielen, einen neuen Beschäftigten einzustellen, nehmen Sie Kontakt mit dem jobcenter Kreis Steinfurt auf. Unter der Nummer 02551 69-5155 erhalten sie umfassende Informationen zu den neuen Fördermöglichkeiten.“